Jürgen Fritz (*04.06.1934 - †26.02.2021) - Update

 Ein leidenschaftlicher TSGer hat uns verlassen

Obwohl man, besonders bei Personen, die ein hohes Alter erreicht haben, zunehmend damit rechnen kann, kommt ihr Verlust dann doch immer überraschend und hinterlässt eine große Lücke.

Erst recht, wenn es wie in diesem Fall um unseren langjährigen Vorsitzenden Jürgen Fritz geht, der mehr als ein halbes Jahrhundert die Geschicke unseres Vereins entscheidend geprägt hat und der in der Nacht auf den 26. Februar 2021 verstorben ist.

Jürgen begann seine aktive Schachlaufbahn in den 50er Jahren beim SC Köpenick. Dort kreuzte er bereits 1954 die Klingen mit Klaus Tiemer, der ebenfalls noch aktives Mitglied unseres Vereins ist.

Zu dieser Zeit wurden zur Förderung des Leistungssports im DDR-Sportsystem die Leistungssportsektionen aus den Betriebssportgemeinschaften (BSG) der Volkseigenen Betriebe (VEB) herausgelöst und in Sportclubs (SC) zusammengefasst. Aus dem Zusammenschluss der in Oberschöneweide ansässigen Firmen entstand der leistungssportorientierte TSC Oberschöneweide (aus dem dann später der DDR-Spitzenklub AdW Berlin hervorging) sowie unsere TSG Oberschöneweide, die sich als Anlaufstelle für den Breitensport verstand. In ihr war Jürgen bis zu seinem Tode Mitglied.

Anfang der 70er Jahre übernahm er dann offiziell von seinem Vorgänger Peter Fix die Funktion des Vorsitzenden der Schachsektion. Schon Jahre davor unterstützte er diesen bei den administrativen Aufgaben bzw. führte diese bereits eigenständig aus.

Jürgen zählte nie zu den Spitzenspielern unseres Vereins. Dagegen war er mit seiner Eigenschaft, stets intensiven Kontakt zu allen Mitgliedern, vom spielstärksten bis zu den „Schwächsten“, zu halten, absolut wichtig und die eigentliche Integrationsfigur der TSG.

Seine große Fähigkeit bestand darin, sowohl durch hingebungsvolles eigenes Training mit jungen Anfängern als auch mit dem Herstellen von Kontakten zwischen neuen Mitgliedern und „alten Hasen“ jedem nach Möglichkeit sofort die intensive Beschäftigung mit Schach auf seiner Spielstärkeebene zu bieten und damit über den Spaß zu unserem Schachsport die Bindung an unseren Verein zu stärken.

Mit seinem ausgeprägten Blick für Talente, z.B. vermittelte er damals das Training zwischen dem talentierten Dirk Rosenthal und dem spielstarken Klaus Tiemer oder setzte sich persönlich bei den Eltern von Matthias Schöwel für die Rückkehr ihres Sohnes zum Schachsport ein. Jürgen gelang es mit dem oben genannten Spaß an unserem Sport, die TSG schon in den 80er Jahren zu einem der größten Schachvereine in (Ost-) Berlin zu machen.

Außerdem führte die erfolgreiche Kombination Freude am Spiel (und am Vereinsleben) + Spielstärke (durch die Bindung von Talenten an den Verein, die dann wiederum selbst die positive Werbetrommel rühren und weitere starke Spieler für den Verein begeistern konnten) zu schachlichen Erfolgen, sowohl im Einzel- als auch im Mannschaftsbereich.

Dabei freute sich Jürgen bis zuletzt über jegliche Erfolge aller Vereinsmitglieder und -mannschaften und wollte am liebsten sofort, am besten noch direkt vom Spielort, darüber informiert werden.

Diesen Charakter unseres Vereins, personelle Größe und sportliche Erfolge, gepaart mit dem Spaß am Schach, konnte unsere Schachabteilung auch über die Nachwendezeit in die Gegenwart mitnehmen.

2012 gelang es uns, einen Wechsel in der Abteilungsleitung vorzunehmen und damit Jürgen in seiner jahrzehntelangen intensiven Tätigkeit an der Spitze der Schachabteilung zu entlasten.

Mit seinem großen Erfahrungsschatz stand er jedoch weiterhin dem neuen Vorstand beratend zur Verfügung. Außerdem war er weiterhin der zentrale Anlaufpunkt an den Vereinsabenden. Im neuen digitalen Zeitalter war er der analoge Ansprechpartner für viele, gerade ältere, Schachfreunde.

Hocherfreut war Jürgen über die starke Zunahme der Kinder- und Jugendarbeit in unserem - seinem - Verein. Durch die engagierte Arbeit vieler Ehrenamtlicher findet eine neue Generation, darunter auch zahlreiche große und kleine Talente, über den Spaß am Spiel unter dem Dach der TSG, ihre Liebe zum Schach.

Bis zuletzt liefen in Vorbereitung der regionalen Mannschaftskämpfe viele Fäden bei Jürgen zusammen.

Wir können sein Andenken dann am besten ehren, wenn wir ihm beweisen, dass wir auch ohne ihn, jedoch nach seinem Vorbild, auch diesen Aspekt des Vereinslebens in seinem Sinne weiterführen und die Organisation der Mannschaften ähnlich souverän bewältigen.

Nicht zuletzt soll unsere Anteilnahme auch seiner Familie gelten. Mit seiner Begeisterung für unser Spiel konnte Jürgen viele seiner Familienmitglieder infizieren und ebenfalls als Mitglieder für unseren Verein gewinnen. Genannt seien hier beispielhaft sein Bruder, seiner Kinder und zuletzt auch seine Enkeltochter.

Und obwohl er seine Ehefrau nie derartig für seinen Sport gewinnen konnte, war sie jedoch, sowohl in ihrer Rolle als aufmerksame Gastgeberin während diverser Schachbesuche in ihrem Haus in Müggelheim, als auch als liebevolle und die Leidenschaft Ihres Partners voll akzeptierende Ehefrau eine wichtige Stütze für Jürgen, ohne die er sich nie in dem Maße wie geschildert in seinem Verein hätte engagieren können.

Wir hoffen und wünschen seiner Ehefrau und der gesamten Familie, dass sie über den großen Verlust hinwegkommen können.

Mach’s gut, Jürgen!

Vielen Dank dafür, was die Schachabteilung der TSG Oberschöneweide durch Dich geworden ist. Wir werden versuchen, den von Dir eingeschlagenen Weg weiter zu begehen und damit Deine Ideen und Vorstellungen weiterleben zu lassen.

Trotzdem wird für viele, die Dich kannten, der Verein nach Dir nicht mehr derselbe sein, wie er es mit Dir war.

Deine Schachabteilung der TSG Oberschöneweide e.V.

 


Update: 28.03.2021 22:30 Uhr


Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. April 2021 um 10 Uhr auf dem Friedhof Müggelheim statt.

Es wird ausdrücklich darum gebeten zu Gunsten einer einzelnen Blume von Kränzen und Gebinden abzusehen.

Aufgrund der Pandemiebetimmungen kann es zu Einschränkungen bei der Besucherzahl kommen. Es kann sein, dass nicht eingeladene Besucher erst nach der Familie persönlich an der Grabstelle Abschied nehmen können. Es wird um Rücksichtnahme und Respekt gebeten.

Die Schachspieler sind um Abstimmung mit Ingo Stark (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!gebeten.